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Schmerzklinik ist nach § 40 SGB V von allen gesetzlichen Krankenkassen als Rehabilitationseinrichtung anerkannt und auch beihilfefähig (OPS 8-918).
Auch private Krankenversicherungen übernehmen i.d.R. die Kosten (gemischte Krankenanstalt).

MORBUS BECHTEREW
M. Bechterew

Der Begriff "Morbus" wird häufig mit "M." abgekürzt.

Der Morbus Bechterew wird auch als ankylosierende Spondylitis oder Spondylitis ankylopoetica bezeichnet.

Beim Morbus Bechterew handelt es sich um eineentzündlich / rheumat ische Störung.
Die Diagnose wird röntgenologisch und serologisch
(= Untersuchung des Blutserums auf spezifische Antikörper) (HLA-B27) gesichert. Die Blutsenkungsgeschwindigkeit ist oft stark erhöht.

Der Morbus Bechterew ist gekennzeichnet durch eine schleichende, an kylosierende (= versteifende) Kyphosebildung (= Krümmung der Wir belsäule), die zu der typischen, vornüber gebeugten Haltung führt. Betroffen ist hpts. die Wir belsäule unter Beteiligung der Iliosakralgelenk e (= Pseudogelenk zwischen Kr euzbein und Darmbeinschaufeln). Bei Mitbeteiligung auch der großen Gliedmaßengelenke spricht man von der Bechterew-Marie-Strüm pell Kran kheit.

Infolge der Fehlstellung und Fehlbelastung können heftige Schmerzen auftreten. Anfänglich führt der Morbus Bechterew zu uncharakteristischen Kreuzschmerzen, vorzugsweise nachts. Manchmal sind aber auch eine Gelenkentzündung im Kn ie-, Hüf t- oder Sprunggelen k oder oder ein Fersenschmerz (Kalkaneodynie) das erste Symptom
(= Kran kheitszeichen) des Morbus Bechterew. Begleiten oder vorausgehen können dem Morbus Bechterew eine Iritis (= En tzündung der Regenbogenhaut des Auges) und/oder eine Urethrit is (= Harnröhrenen tzündung).

Der Morbus Bechterew tritt hauptsächlich bei Männern im jugendlichen und mittleren Alter auf.

Visze rale (= aus den Eingewei den stammende) Übertragungsschmerz en (Referred pain) sind stets in die differentialdiagnostischen Erwägungen (= was außer einem Mor bus Becht erew sonst noch an Kran kheiten vorliegen könnte) mit einzubeziehen. Affektionen (= Erkran kungen, Störungen) von Herz und Pankreas (= Bauchspeicheldrüse) führen oft zu Beschwerden zwischen den Schulterblättern. Auch Er krankungen der Speiseröhre, Pleura (= Rippen- bzw. Lungenfell) und Anomalien der Brustaorta (= Hauptschlagader im Brustbereich) können zu Beschwerden in der Brustwir belsäulen-Region führen.
Des weiteren ist auch an Wachstumsstörungen (z.B. Scheuermann Krankheit, Skoliose) zu denken.

Eine kausale (= auf die Ursache gerichtete) Therapie gegen den Morbus Bechterew gibt es nicht. Zu einer aufrichtenden Wir belsäulen-Osteotomie (= Knochendurchtrennung) wird man sich nur ausnahmsweise entschließen.

Der TNF-alpha BlockerEtanercept hat sich mittlerweile nicht nur gegen die rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, oder chronische Polyarthritis bewährt, sondern auch bei Mor bus Bech terew.

Medikamentöse Behandlung der Rückenschmerzen bei Morbus Bechterew:

Akut (= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheuma mittel), aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und magen schonende wie z.B. Meloxicam. Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskel relaxanzien (= Mittel zur Entspannung von Muskeln) (z.B. Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerz zustände nur mit zentral wirkenden Analgetika ((z.B. Tramadol, Tilidin, Oxycodon (Tilidin oder Oxycodon auch mit Naloxon) oder Morphin)) (= im Gehirn bzw. Rücken mark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei diesen Schmerzen eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Abhängigkeit vermieden werden.Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (= Mittel gegen Depression, aber auch bei chronischen Schmer zen hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) oder Neuroleptika hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Durch wiederholte Serien von lokalen Infiltrationsbehandlungen mit lang wirkenden Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsmittel) lassen sich teilweise eindrucksvolle Linderungen erzielen und Analgetika (= Schmerzmittel) einsparen.
Eine stark fraktionierte Röntgenbestrahlung soll schmerzlindernd sein (Thomalske 1991). Auch kann bei Morbus (M.) Bechterew die Magnetfeldtherapie versucht werden.
Der progredienten
(= fortschreitenden) Beweglichkeitseinschränkung kann mit regelmäßiger Heilgymnastik begegnet werden.

Nicht selten stehen beim Morbus (M.) Bechterew Schmerzen im Bereich der Ilioskralgelenk e im Vordergrund, oft mit Ausstrahlung in die untere Lendenwirbelsäule. Neben der vorgenannten medikamentösen Therapie ist für diesen Schmerzbereich die therapeutische Lokalanästhesie besonders zu empfehlen.

Infiltrative therapeutische Lokalanästhesie:
Die einfachste diesbezügliche Therapie besteht in der lokalen Infiltration der Iliosak ralgelenke (Kortison-Zusatz kann den Heilungsprozeß beschleunigen) und der meist verspannten paravertebralen Mus katur im Bereich der unteren Lendenwir belsäule. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus.
Bei Schmerzen im B rust / Halswir belsäulen-Bereich wird die paravertebrale
(= neben der Wir belsäule befindliche) Mus kulatur ebenfalls wiederholt infiltriert, stationär 1-2 mal täglich.
Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Triggerpunktinfiltration nach vorheriger Identifizierung derselben.

Rückenmarknahe Blockade:
Die lumbale Periduralblockade
(= rückenmarknahe Blockade im Lendenbereich), insbesondere mit Katheter (= eingepflanzter, dünner Kunststoffschlauch) über z.B.10-14 Tage, ist eine sehr effektive Therapiemaßnahme, die allerdings nur unter stationären Bedingungen durchgeführt werden sollte. Bei technischer Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das Risiko bei der Indikation (= Anzeige) "Rückenschmerzen" als vertretbar eingestuft werden.
Die Wirkung einer lumbalen peri(epi)duralen Blockade kann individuell mittels Lokalanästhetikamenge und -konzentration so gesteuert werden, daß die Schmerzreize aus der gesamten unteren Körperhälfte (mit größerem Volumen wird auch der untere/mittlere Th orakalalbereich erreicht) bei weitgehend erhaltener Motorik blockiert werden. Der Erhalt der Motorik hat den Vorteil, daß die Patienten nicht immobil sind, sondern gleichzeitig effektiv physiotherapeutisch behandelt werden können.
Die gleichzeitige Sympathikolyse
(= gefäßerweiternde Wirkung) Wirkung führt zu einer sehr deutlichen Mehrdurchblutung, die jeder entzündlichen oder degenerativen Schmerzursache kausal entgegenwirkt, also auch beim Morbus Bechterew.

Physikalische Therapie:
Auch die Elektrostimulation kann eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Stimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig paravertebral
(= neben der Wir belsäule) im Schmerzbereich aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca.-10 bis-15 Grad C abgekühlt ist. Manche Patienten empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) oder auch eine Behandlung in der Wärmekammer als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls Schmerzen lindern.
Die Verordnung von Massagen ist auch bei Schmerzen aufgrund eines Mor
bus Bech terew nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist dagegen
beim Morbus Bechterew die heilgymnastische Therapie.
Psychologische Interventionen
(Schmerzbewältigungstraining, Entspannungstechniken) runden das Therapiekonzept ab.

Laut den Ausführungen des Bundesministeriums für Gesundheit haben seit dem 1.4.2007 alle Versicherte (also auch ältere Patienten) einer gesetzlichen Krankenkasse einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Quelle: Web-Seite der Bundesregierung und Brief des Bundesgesundheitsministeriums an die Sozialministerien der Länder als Aufsichtsbehörde der gesetzlichen Krankenkassen. Zu diesem Wahlrecht gibt es mittlerweile auch einUrteil des hessischen Landessozialgerichts (Az.: L 1 KR 2/05): Gewährt eine Krankenkasse einem Versicherten einen Aufenthalt in einer Reha-Klinik, so ist sie dazu verpflichtet, die Wünsche des Versicherten in Bezug auf die Einrichtung zu berücksichtigen (eine Revision gegen diese Entscheidung ließ das Gericht gar nicht erst zu).

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Aktualisiert: >27.10.2008</> kusb&
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